Einigung in der Nacht: Löhne und Gehälter in der Sozialwirtschaft steigen um 2,6 %

Marathonsitzung bringt Durchbruch beim KV Sozialwirtschaft: 130.000 Beschäftigte erhalten ab April 2,6 Prozent höhere Löhne und Gehälter. Neue Regelungen zugunsten von Beschäftigten im Bereich Inklusion.

Foto zeigt Teilnehmer:innen einer Demonstration für höhere Löhne in der Sozialwirtschaft im November 2025 in Wien.
Demonstration für höhere Löhne in der Sozialwirtschaft im November 2025 in Wien, © Gewerkschaft GPA/Tizian Rupp

Dienstagfrüh kurz nach 4 Uhr meldeten die Verhandler:innen den Durchbruch: Am Ende einer 17-stündigen Marathonsitzung steht der KV-Abschluss in der Sozialwirtschaft. Die rund 130.000 Beschäftigten im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich erhalten ab April 2026 um 2,6 Prozent höhere Löhne und Gehälter. Die IST-Gehälter sollen um 2,4 Prozent steigen. Die für Mittwoch bis Freitag geplanten Streiks sind abgesagt.

Gleichzeitig einigten sich die Vertreter:innen der Gewerkschaften GPA und vida mit der Arbeitgeberseite der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) auf eine Erhöhung ab Jänner 2027: Dann steigen Löhne und Gehälter um mindestens 2,3 Prozent. Abhängig von der Inflation ist auch eine höhere Steigerung möglich.

Es gebe dann eine „teilweise Inflationsabgeltung im Korridor 2,3-2,7 %“, heißt es vonseiten der SWÖ. Die Gewerkschaft GPA beschreibt den Mechanismus wie folgt: „Steigt die Inflation auf mehr als 2,3 Prozent, so wird die Differenz zur Hälfte abgegolten.“ Bein einer Inflation von 2,7 Prozent, würde die Erhöhung somit 2,5 Prozent betragen.

Bessere Einstufungen für Behindertenfachkräfte in Ausbildung

Der KV-Abschluss beinhaltet weitere rahmenrechtliche Änderungen, die schlussendlich auch Menschen mit Behinderungen betreffen: Für Eltern von Kindern mit Behinderungen wird die Pflegefreistellung ausgebaut. Für Behindertenfachkräfte (ab 1.7.2026) und Kindergartenassistent:innen (ab 1.9.2026) in Ausbildung gibt es laut SWÖ „klarere und fairere Einstufungen“. Der ÖGB spricht von einer „besseren Einstufung“ dieser Kräfte.

Teilzeitbeschäftigte haben in Zukunft einen Anspruch darauf, ihr Wochenstundenausmaß zu erhöhen. Der Präsenzdienst wird als Vordienstzeit angerechnet. Zusätzlich enthält der KV 2026 Regelungen zur Altersteilzeit. Sie werde "den neuen gesetzlichen Regelungen angepasst", so die GPA.

Der Abschluss sei nur möglich gewesen, „weil alle Beteiligten die außergewöhnlich schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen anerkannt und Verantwortung übernommen haben“, sagte SWÖ-Chefverhandlerin Yvonne Hochsteiner. „Wir sind erleichtert, dass in Zeiten massiver Budgetkürzungen eine Lösung gefunden wurde, die Arbeitsplätze und Versorgungsangebote langfristig absichern kann.“

Appell an die Politik: Langfristige Stabilität im Sozialbereich sicherstellen

In einer Aussendung nannten Yvonne Hochsteiner und Erich Fenninger, der Vorsitzende der Sozialwirtschaft, den Abschluss einen „klaren Appell an die Politik, ihrer Finanzierungsverpflichtung nachzukommen, um die langfristige Stabilität im Sozialbereich sicherzustellen“.

Seit Ende Oktober hatten Vertreter:innen der Gewerkschaften mit der Arbeitgeber:innenseite verhandelt. Neben zahlreichen Betriebsversammlungen kam es Anfang Dezember zu Warnstreiks an rund 300 Standorten in der Sozialwirtschaft. Für diese Woche waren weitere Streiks angekündigt.

„Ohne die starke Mobilisierung in zwei Streikrunden wäre kein Abschluss möglich gewesen“, sagte Eva Scherz von der GPA nun. „Wir bedanken uns bei den tausenden Beschäftigten, die mit ihrem Engagement in Betriebsversammlungen und Streiks nach fünf Verhandlungsrunden endlich Bewegung bei den Arbeitgebern erzeugen konnten“, sagte vida-Verhandlerin Michaela Guglberger.