Dramatische Lage: Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderungen steigt 3,6-mal stärker als insgesamt
Die AMS-Zahlen vom Jänner sind dramatisch für Menschen mit Behinderungen: Die Arbeitslosigkeit stieg bei ihnen um 13,9 %. Alarmierend sind die Zahlen bei jungen Menschen und der Anstieg der Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Dabei-austria fordert den Stopp von Kürzungsplänen bei bewährten Unterstützungsmaßnahmen.
Die aktuellen AMS-Arbeitsmarktdaten für Jänner 2026 zeigen: Die Arbeitsmarktlage bleibt auch zu Beginn des Jahres 2026 angespannt. Die Arbeitslosigkeit stieg im Jänner um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Für Menschen mit Behinderungen verschlechtert sich die Lage jedoch massiv: Sie verzeichneten im selben Zeitraum ein Plus von 13,9 Prozent – ein 3,6-mal so starker Zuwachs. Insgesamt waren im Jänner 17.130 Menschen mit Behinderungen arbeitslos gemeldet, das sind 2.091 mehr als im Vorjahresmonat.
„Die Schere geht immer weiter auf. Menschen mit Behinderungen sind von konjunkturellen Abschwüngen früher und stärker betroffen als andere Beschäftigte", sagt Christina Schneyder, Geschäftsführerin des Dachverbands dabei-austria.
Junge Menschen mit Behinderungen besonders betroffen
Der jüngst veröffentlichte Bericht der Statistik Austria zeigt: Mehr als jeder vierte junge Mensch mit Behinderung im Alter von 15 bis 24 Jahren gebt an, weder in Ausbildung noch in Erwerbstätigkeit zu sein (NEET-Quote). Die Quote stieg von 19,2 Prozent im Jahr 2022 auf 26,8 Prozent im Jahr 2024. Bei jungen Menschen ohne gesundheitliche Einschränkungen lag sie im selben Jahr bei nur 7,5 Prozent.
Die aktuellen Zahlen untermauern die dramatische Entwicklung bei jungen Menschen mit Behinderungen. Bei ihnen stieg die Arbeitslosigkeit um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein sechsmal so starker Anstieg wie unter allen Personen unter 25 Jahren (plus 1,6 Prozent).
„Ausgerechnet jene Gruppe, deren langfristige Erwerbschancen von einem gelungenen Einstieg abhängen, wird zunehmend vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen", warnt Schneyder. Das betrifft nicht nur junge Menschen mit Behinderungen, sondern auch andere ausgrenzungsgefährdete Jugendliche, für die die Programme des Netzwerks berufliche Assistenz (NEBA) oft die einzige Chance für berufliche Integration darstellen. „Gleichzeitig stehen gerade diese bewährten NEBA-Programme unter massivem Kürzungsdruck", erläutert Schneyder.
Menschen mit Behinderungen bleiben fast 3 Monate länger ohne Job
Einmal arbeitslos geworden, bleiben Menschen mit Behinderungen deutlich länger ohne Job. Ihre Verweildauer in Arbeitslosigkeit beträgt im Schnitt 214 Tage. Das ist fast drei Monate länger als bei allen arbeitslosen Personen (125 Tage). Das zeigen Berechnungen von dabei-austria auf Basis der aktuellen AMS-Daten.
Langzeitbeschäftigungslosigkeit steigt noch stärker
Sehr alarmierend ist auch die Zunahme der Langzeitbeschäftigungslosigkeit: Insgesamt stieg die Zahl der langzeitbeschäftigungslosen Personen im Jänner um 14,1 Prozent. Bei Menschen mit Behinderungen jedoch um 17,9 Prozent – und damit noch einmal stärker.
„Jeder Euro, den wir heute in Arbeitsassistenz oder Jobcoaching investieren, erspart uns morgen die weitaus höheren Kosten verfestigter Langzeitbeschäftigungslosigkeit", sagt Schneyder.
9 von 10 Beschäftigungsaufnahmen sind am 1. Arbeitsmarkt
Die Zahlen belegen den Erfolg der NEBA-Maßnahmen. Beispiel Arbeitsassistenz: Von 6.565 abgeschlossenen Begleitungen zur Erlangung einer Beschäftigung führten 53 Prozent zu einem erfolgreichen Abschluss, also einer Beschäftigungsaufnahme (Zeitraum: Jänner bis August 2025). Beeindruckende 86 Prozent davon waren am 1. Arbeitsmarkt.
Noch besser sah es im selben Zeitraum bei der Sicherung bestehender Beschäftigung aus: 85 Prozent der abgeschlossenen Begleitungen endeten damit, dass die Personen ihre Stelle behielten. All das passiert mit verhältnismäßig geringem Personalaufwand: Ende 2024 waren 637 Mitarbeitende bei 45 Projekten der NEBA-Arbeitsassistenz beschäftigt. Das geht aus aktuellen Zahlen der BundesKOST hervor.
Forderung: Keine Kürzungen bei beruflicher Inklusion
„Jetzt über Einsparungen bei NEBA-Programmen und im Ausgleichstaxfonds zu diskutieren, geht an der Realität am Arbeitsmarkt vorbei", unterstreicht Eva Skergeth-Lopič, Vorstandsvorsitzende von dabei-austria. „Die aktuellen Zahlen zeigen klar: Wir brauchen mehr, nicht weniger Unterstützung für Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt."
Skergeth-Lopič fordert daher: „Die Politik ist dringend gefordert, den Ausgleichstaxfonds als zentrales Finanzierungsinstrument beruflicher Inklusion nachhaltig abzusichern. Wer hier spart, spart am falschen Ende und riskiert weiter steigende Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderungen."
