Presseaussendung: Budget 2027/2028 verfehlt Ziele bei beruflicher Inklusion und Jugendintegration
Berufliche Inklusion wirkt, doch der Bedarf steigt schneller als das Angebot: dabei-austria wirbt für eine gesicherte Finanzierung im Doppelbudget. Die Mittel für Menschen mit Behinderungen sinken bis 2028 um rund 18 Prozent, während die NEET-Quote der Jugendlichen auf 9,7 Prozent steigt.

Das aktuelle Bundesbudget 2027/2028 setzt auf die zukunftsweisende Sicherung der Sozialsysteme, verfehlt jedoch aus Sicht von dabei-austria zentrale Zielsetzungen im Bereich Inklusion und Jugendintegration. Insbesondere Menschen mit Behinderungen sowie Jugendliche im Übergang von Schule in Ausbildung und Beschäftigung sind im Budget strukturell unterrepräsentiert.
Finanzminister Markus Marterbauer spricht in seiner Budgetrede vom 10. Juni 2026 von „der Stärkung unseres österreichischen Modells einer erfolgreichen Wirtschafts- und Sozialpolitik“ und formuliert die Bedeutung von politischen Schwerpunktsetzungen und Priorisierungen. Dabei nennt er neben stabilen Staatsfinanzen auch das Schwerpunktziel der Bundesregierung, die Senkung der Arbeitslosigkeit.
Bei näherem Blick auf die Datenlage müssen wir jedoch feststellen, dass Maßnahmen zur Beruflichen Inklusion von Menschen mit Behinderungen keine Schwerpunktsetzung erfahren haben.
Deutlicher Rückgang bei Mitteln für Menschen mit Behinderungen
Die vorgesehenen Bundesmittel sinken trotz steigenden Gesamtbudgets deutlich: Von derzeit noch 186 Millionen Euro sollen sie im Jahr 2027 auf 170,3 Millionen und im Jahr 2028 auf 152,8 Millionen reduziert werden. Das entspricht einem Rückgang von rund 18 % innerhalb von zwei Jahren.
„Hier entsteht ein klarer Widerspruch: Es wird von Inklusion und Teilhabe gesprochen und im Strategiebericht zum Budget der Bezug zum Nationalen Aktionsplan Behinderung zitiert – die tatsächliche Schwerpunktsetzung durch Budgetmittel fehlt jedoch“, zeigt Eva Skergeth-Lopič im Namen des Vorstandes von dabei-austria auf.
Ausgleichstaxfonds nicht ausreichend dotiert
Der Ausgleichstaxfonds – als zentrales Finanzierungsinstrument für berufliche Inklusion – wird im vorliegenden Doppelbudget lediglich in seiner Liquidität abgesichert. Eine Stärkung zur Förderung von Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen oder eine strategische Weiterentwicklung ist nicht erkennbar.
Dabei geben die Fakten am Arbeitsmarkt einen klaren Auftrag: Menschen mit Behinderungen sind im Schnitt 209 Tage arbeitslos – 77 Tage länger als der Durchschnitt. Gleichzeitig ist die Langzeitbeschäftigungslosigkeit insgesamt um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, bei Menschen mit Behinderungen um 20,7 Prozent.
Über den Ausgleichstaxfonds werden österreichweit zentrale Angebote zur Beruflichen Assistenz finanziert: In mehr als 200 Projekten arbeiten rund 2.800 Fachkräfte für rund 100.000 unterstützte Personen pro Jahr.
Berufliche Inklusion wirkt – auch im Alltag
Wie entscheidend diese Unterstützung ist, zeigt die aktuelle Videoserie „Mein Job, mein Alltag – Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben“ von dabei-austria: Am Beispiel von Elif, die als Produktionsmitarbeiterin bei BILLA PLUS arbeitet, machen wir sichtbar, was berufliche Assistenz konkret bewirkt: Sie ermöglicht den Einstieg in den Arbeitsmarkt, stabilisiert Beschäftigung und schafft realistische Perspektiven im Alltag.
„Hinter jeder Zahl steht ein konkreter Lebensweg. Berufliche Assistenz macht den Unterschied zwischen Ausgrenzung und Teilhabe“, verdeutlicht Christina Schneyder, Geschäftsführerin von dabei-austria, und verweist auf die Erfolgszahlen der Arbeitsassistenz für Erwachsene im Zeitraum Jänner bis August des Jahres 2025: Über 50 Prozent der begleiteten Personen fanden eine Beschäftigung und rund 85 Prozent bestehender Arbeitsverhältnisse am ersten Arbeitsmarkt konnten gesichert werden. Das geht aus Zahlen der BundesKOST hervor.
„Jeder Euro, der in berufliche Assistenz investiert wird, spart morgen ein Vielfaches an Sozial- und Folgekosten“, betont die Geschäftsführerin von dabei-austria.
Jugendliche als Schwerpunkt – Perspektiven am Arbeitsmarkt
In Zusammenhang mit der Stärkung der Finanzierung der Sozialversicherung machte BM Markus Marterbauer in seiner Budgetrede am Mittwoch dieser Woche deutlich: „Gerade in der Arbeitsmarktpolitik investieren wir kräftig: Zusätzliche Offensivmittel in Höhe von 100 Mio. Ꞓ kommen innovativen Projekten zugute. Damit bekämpfen wir Jugendarbeitslosigkeit. Zuletzt waren 30.000 Jugendliche arbeitslos gemeldet. Jugendarbeitslosigkeit ist eine Geißel der Menschheit. Wir ermöglichen die Ausbildungspflicht bis 18 Jahre und tun alles, um Jugendliche entweder in Ausbildung oder in gute Beschäftigung zu bringen.“
„Mit der Ausbildungspflicht bis 18 Jahre setzt Österreich seit zehn Jahren auf ein starkes Instrument zur Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit“, erinnert Christina Schneyder. „Wir weisen darauf hin, dass die Maßnahmen Jugendcoaching und AusbildungsFit mit Blick auf die Zielquoten an Teilnehmer:innen auch tatsächlich ausreichend dotiert sein müssen!“
Im Strategiebericht zum aktuellen Doppelbudget wird dargestellt, dass dafür seit 2020 jährlich rund 57 Millionen eingesetzt werden. Die Zahl der Jugendlichen, die sich weder in Ausbildung noch in Beschäftigung befinden (NEET), ist zuletzt laut Budgetunterlagen auf 9,7 Prozent gestiegen. „Wir müssen in Frage stellen, ob dieses Problem mit den eingestellten Budgetmitteln ausreichend berücksichtigt wird“, so Schneyder.
Forderungen von dabei-austria
Als Dachverband berufliche Inklusion fordern wir alle politischen Kräfte im Zuge der aktuellen Budgetdebatte auf,
- ein klares Bekenntnis für eine proaktive Schwerpunktsetzung für Maßnahmen der Beruflichen Inklusion für Jugendliche und erwachsene Menschen mit Behinderungen abzugeben.
- eine Stärkung der Budgetmittel für Jugendliche (in der UG 20 Arbeit) sowie für arbeitsmarktferne Personen mit Behinderung im Erwerbsalter (in der UG21 Soziales und Konsumentenschutz – Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen) zu garantieren.
- die ausreichende Dotierung des Ausgleichstaxfonds als zentrales Finanzierungsinstrument für Maßnahmen des BEinstG und seine zukunftsweisende Weiterentwicklung zu sichern.
„Das vorliegende Doppelbudget 2027/2028 sichert wohl bestehende Systeme im Sozialbereich, es verpasst aber die Chance, strukturelle Herausforderungen bei der beruflichen Inklusion von Jugendlichen und Erwachsenen wirksam zu adressieren. Ohne gezielt eingesetzte Bundesmittel dafür bleiben zentrale gesellschaftspolitische Ziele unerreicht“, sagt Eva Skergeth-Lopič.
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Rückfragehinweis:
Andreas Bachmann
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